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DSI unter UN-Foren:

Digitale Sequenzinformationen (DSI) sind derzeit Gegenstand verschiedener paralleler internationaler Verhandlungsprozesse mit sehr unterschiedlichen Akteuren und Regelungsmodellen.

  • Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD):

 

    • Die CBD-Vertragsparteien richten einen multilateralen Mechanismus für die faire und gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung digitaler Sequenzinformationen über genetische Ressourcen ein, einschließlich eines globalen Fonds.
    • Dieser Mechanismus deckt öffentlich verfügbare genetische Daten ab und verfolgt einen entkoppelten, sektorbezogenen Ansatz für den Vorteilsausgleich, der auf kommerzielle Nutzer abzielt und einen offenen Zugang ermöglicht. Er wird in den kommenden Jahren umgesetzt werden.
    • Ausführliche Informationen finden Sie hier!

 

  • Der Internationale Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (The International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture, ITPGRFA):

 

    • Das ABS-System des ITPGRFA ermöglicht den Zugang zu den genetischen Ressourcen von 64 Kulturpflanzen und Futtermitteln, die in der Ernährung und Landwirtschaft verwendet werden, wobei der Vorteilsausgleich aus den für die weitere Forschung und Züchtung zur Verfügung gestellten Produkten oder aus finanziellen Leistungen resultiert.
    • DSI könnte einbezogen werden, wenn die Vertragsmitglieder entscheiden, wie sie die Funktionsweise ihres multilateralen Systems verbessern wollen.

 

  • Das Übereinkommen über die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt der Meere jenseits der nationalen Gerichtsbarkeit (The Agreement on the Conservation and Sustainable Use of Marine Biological Biodiversity Beyond National Jurisdiction, BBNJ) im Rahmen des UN-Seerechtsübereinkommens (UN Convention on the Law of the Seas, UNCLOS):

 

    • Eines der Hauptziele des Abkommens ist die Sicherstellung einer fairen und gerechten Aufteilung der Vorteile, die sich aus den genetischen Meeresressourcen und den digitalen Sequenzinformationen der Gebiete außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit ergeben.
    • Das Abkommen richtet ein Clearing-House-Meldesystem und einen Finanzierungsmechanismus sowie einen Sonderfonds für die Verteilung der Leistungen ein.
    • Die Vereinbarung enthält Verpflichtungen für Forscher in den Phasen vor und nach der Sammlung sowie bei der Nutzung von genetischen Meeresressourcen und deren DSI.
    • Es wird 120 Tage nach der Ratifizierung durch mindestens 60 Länder in Kraft treten.
    • Weitere Informationen über das BBNJ-Abkommen finden Sie hier!

 

  • Das WHO Rahmenwerk für die Vorbereitung auf eine Influenzapandemie (Pandemic Influenza Preparedness Framework, PIP) und das Pandemieabkommen (Pandemic Agreement, CA+):

 

    • Im Rahmen des WHO-Verhandlungsprozesses zur Pandemievorsorge CA+ sollte versucht werden, den Erregerumfang zu erweitern und die entsprechende DSI einzubeziehen.
    • Im Dezember 2021 wurde ein zwischenstaatliches Verhandlungsgremium (Intergovernmental Negotiating Body, INB) eingerichtet, das in vielen formellen Sitzungen und zahlreichen informellen Gesprächen über Zweck und Umfang eines neuen Rechtsinstruments zur Vorbereitung der Welt auf künftige Pandemien beraten hat.
    • Eine der wichtigsten Überlegungen in diesem Prozess wird sein, wie der Vorteilsausgleich aus der Nutzung von DSI bei Krankheitserregern, die im Rahmen einer internationalen gesundheitlichen Notlage (public health emergency of international concern, PHEIC) unter Beobachtung stehen, geregelt werden kann.

Wichtig!

Die DSI-Datenbanken sind einheitlich und nicht nach Themen gegliedert (z. B. Landwirtschaft, Meere, Krankheitserreger usw.).

Forscher führen routinemäßig DSI-Analysen durch, die automatisch Hunderte von Millionen von Sequenzen einbeziehen, die in den Geltungsbereich mehrerer UN-Gremien (CBD, BBNJ, WHO und ITPGRFA) fallen können, die auf Tausende von Datenbanken zugreifen.

  • Ein  kompatibles System für alle vier einschlägigen internationalen Instrumente (CBD, BBNJ, WHO und IPTGRFA) ist der Schlüssel, um DSI auf möglichst integrierte und vernetzte Weise für alle Spezies und Rechtsordnungen verfügbar zu machen und so bessere wissenschaftliche Ergebnisse und einen besseren Vorteilsausgleich zu gewährleisten.

 

  • Klare und kompatible Regeln für alle Instrumente werden es den Forschern ermöglichen, vorauszusehen, was sie für ihre Forschung benötigen, um die Verpflichtungen in Bezug auf Zugang und Vorteilsausgleich zu erfüllen, ohne die Innovation zu behindern.

 

  • Der ABS Science Policy HuB unterstützt die Idee sich gegenseitig unterstützende ABS-Systeme.Lesen Sie hier mehr darüber,

Slide Was braucht die Forschungsgemeinschaft?

Die Allianz-ABS-Beratungsplattform für die akademische Forschung wird von den Mitgliedern der Allianz der Wissenschaftsorganisationen finanziert. Zu den projekttragenden Mitgliedern der Allianz gehören die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), die Leibniz-Gemeinschaft, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Max-Planck-Gesellschaft.

 

 

 

© 2026 · Nagoyaprotocol-hub. Impressum | Privacy Policy

Nicht alle Länder, die Vertragsstaat des Nagoya-Protokolls sind, haben Zugangsregeln, beispielsweise Deutschland. In diesen Fällen können Sie die genetischen Ressourcen aus diesen Ländern nutzen, ohne eine ABS-Genehmigung beantragen zu müssen.

Sie sind aufgrund von gesetzlichen Regelungen in Deutschland und in der EU verpflichtet, bei vom Bundesamt für Naturschutz durchgeführten Nutzerkontrollen mitzuwirken.

Kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, machen Sie sich strafbar.

Wenn Sie Material an eine andere Person oder eine andere Einrichtung weitergeben:

  • Überprüfen Sie, ob es ABS-Unterlagen zu dem Material gibt,
  • Überprüfen Sie, ob die Weitergabe an Dritte von der Genehmigung umfasst ist, und
  • Geben Sie Kopien der Unterlagen weiter, bspw. von der ABS-Genehmigung oder die Nummer des International anerkannten Compliance Zertifikats (IRCC), das im ABS-Clearing House veröffentlicht wurde.

Eine gutes Dokumentationssystem wird zukünftige Kopfschmerzen reduzieren.

Lesen Sie die Unterlagen genau durch, um Ihre Verpflichtungen zu verstehen, vor allem im Hinblick auf Bedingungen und Beschränkungen zur Nutzung des Materials.

Behalten Sie im Kopf, welche Vorteile Sie teilen wollten.

In Fällen von Sorgfaltspflichtverletzungen kann das BfN:

  • das Material einziehen
  • die weitere Nutzung und die Weitergabe des Materials verbieten
  • die Veröffentlichung oder das Teilen von Forschungsergebnissen verbieten
  • eine Geldbuße in Höhe von bis zu 50.000 Euro verhängen.

Hier können Sie mehr über die Verletzung von Sorgfaltspflichten erfahren.

Für Ihre Forschung in Deutschland empfiehlt das Bundesamt für Naturschutz, das DECLARE Portal zu nutzen.

Hierfür ist es nötig, ein Profil anzulegen. Möglicherweise hat Ihre Einrichtung bereits ein solches angelegt.

Dieses Video und der User Guide sind am Anfang sehr hilfreich!

Mithilfe der Sorgfaltserklärung kann die zuständige Behörde in Deutschland nachvollziehen, dass Ihr Material und Ihre Forschung den Bestimmungen des Nagoya-Protokolls unterliegen und dass Sie Ihre damit verbundenen Pflichten erfüllt haben.

Finden Sie hier mehr heraus!

In dieser Hinsicht haben Sie in der EU rechtliche Pflichten, wenn das Land, aus dem das Material stammt, zum Zeitpunkt des Zugangs ein Vertragsstaat des Nagoya-Protokolls war und ABS-Regelungen hatte.

In dieser Hinsicht haben Sie Verpflichtungen in der EU, wenn:

  • Sie das Material sammelten…
  • Ihr Forschungspartner, der Ihnen das Material übergab, es sammelte…
  • Das Material, dass Sie von einer Sammlung erhalten haben, ursprünglich gesammelt wurde…
  • Das Geschäft oder das Unternehmen, bei dem Sie das Material gekauft haben, es gesammelt hat…

…am oder nach dem 12. Oktober 2014.

Dieses Datum ist entscheidend, denn an diesem Tag trat das Nagoya-Protokoll in Kraft und damit entstanden auch die Verpflichtungen, die die EU-Verordnung auf Basis des Nagoya-Protokolls regelt.

Zum Beispiel: Forschung zu spezifischen genetischen oder biochemischen Eigenschaften, Genfunktion, Genexpression, genetische Veränderung, Bearbeitung des Genoms, Züchtung aufgrund von bestimmten Merkmalen und zugehörige Gene, u.a.

Die EU-Verordnung ist nicht anwendbar, wenn die Forschung nicht die genetische oder biochemische Zusammensetzung betrifft, bspw. die Aufbewahrung von Material in einer Sammlung, die Kultivierung von Organismen, die taxonomische Bestimmung, die morphologische oder anatomische Charakterisierung, u.a.

Lesen Sie dazu den Leitfaden, um mehr Informationen zur Definition des Begriffs „Nutzung“, einschließlich von Beispielen, zu erhalten.

Lesen Sie dazu auch unsere FAQs.

„Derivative“ meint einen natürlicherweise bestehenden Bestandteil, der von einer genetischen Expression oder einem Metabolismus einer biologischen oder genetischen Ressource stammt, selbst dann, wenn er keine funktionellen Erbeigenschaften enthält.

Einige Beispiele sind: RNA, Proteine (Enzyme eingeschlossen), Lipide, organische Bestandteile (z.B. essentielle Öle oder …) und andere Produkte von Metabolismus.

Lesen Sie dazu auch unsere FAQs.

Innerhalb der Europäischen Union entstehen Verpflichtungen aufgrund der Verordnung (EU) Nr. 511/2014.

Der EU-Leitfaden für Zugang und Vorteilsausgleich enthält Informationen zum Anwendungsbereich und zu Verpflichtungen und erläutert anhand von Beispielen, ob Ihr Material und Ihre Forschung der Verordnung unterfallen. Er ist in allen EU-Landessprachen verfügbar und ist für eine gründliche Recherche der ABS-Problematik unerlässlich.

Warum ist ABS so wichtig?

Access and Benefit-Sharing – Maßnahmen (ABS = Zugang und Vorteilsausgleich) dienen dazu, den Bereitstellerstaaten mit den Forschungsergebnissen zu helfen,

  • gut begründete Entscheidungen zur Erhaltung, zu nachhaltiger Nutzung und zum Biodiversitätsmanagement zu treffen
  • innovative Lösungen für Aktionen und Tätigkeiten umzusetzen, die die nachhaltige Entwicklung fördern
  • Kompetenzen für die nationale Forschung aufzubauen
  • von weiteren Vorteilen – je nach Vereinbarung – zu profitieren

Wenn Sie mit Ihrem Projekt beginnen, bevor die ABS-Genehmigung erteilt wurde, verstoßen Sie gegen die Bestimmungen der EU-Verordnung. Deshalb könnten Sie in Schwierigkeiten geraten, wenn Ihre Einrichtung vom Bundesamt für Naturschutz kontrolliert wird!

Selbst dann, wenn ABS nicht auf Ihr Forschungsprojekt anwendbar ist, müssen Sie in der Lage sein, gegenüber dem Bundesamt für Naturschutz schriftlich zu begründen, wie Sie zu dieser Schlussfolgerung gekommen sind. Dies wird mögliche Compliance-Kontrollen beschleunigen. Tipp: Bewahren Sie die diesbezügliche Email-Korrespondenz mit den Bereitstellerstaaten auf.

In manchen Ländern sollte überprüft werden, zu welchem Zeitpunkt die nationalen ABS-Gesetze in Kraft getreten sind, und mit dem Zeitpunkt verglichen werden, zu dem das Material im Land gesammelt wurde. Wenn Sie das Material entnommen haben, bevor die ABS-Gesetze in Kraft traten, könnten Sie aus dem Anwendungsbereich herausfallen. Allerdings gilt in einigen Staaten die Regelung, dass „Zugang“ auch bedeutet, das Material von einer ex-situ-Sammlung erhalten zu haben oder sogar erst der Beginn der eigentlichen Nutzung (selbst wenn das Material schon vor einer sehr langen Zeit gesammelt wurde oder das Land verlassen hat). Hier also gut aufpassen!

Es hängt teilweise von der Art der Forschung ab, ob ABS-Verpflichtungen bestehen oder nicht. Manchmal gibt es Ausnahmen für nichtkommerzielle oder Grundlagen-Forschung.

Falls lokale Forschende von den ABS-Verpflichtungen ausgenommen sind, beachten Sie, dass dies aber möglicherweise nicht gilt, wenn die Forschung außerhalb ihres Landes durchgeführt wird (bspw. wenn ein Gastforscher Material aus seinem Land mit nach Deutschland bringt, um dort damit zu forschen).

Einige Gesetze umfassen nur bestimmte Arten von Organismen oder nur Organismen, die in bestimmten Gegenden gesammelt werden.

  • Einige Länder haben eigene ABS-Gesetze, obwohl sie NICHT das Nagoya-Protokoll unterzeichnet haben. Sie müssen diese ABS-Gesetze auf jeden Fall befolgen!
  • Auch einige Länder in der EU haben ABS-Gesetze.
  • Wenn Ihre Forschung traditionelles Wissen umfasst, müssen Sie die entsprechenden ABS-Regelungen beachten.

Wie komme ich an Informationen?

  • Informieren Sie sich zunächst beim ABS-Clearing House (ABSCH) über das Länderprofil .
  • Lesen Sie in dem Kapitel “legislative, administrative or policy measures” nach. Wenn Sie hier nicht fündig werden, können Sie ebenfalls in den „Interim Reports“ nach relevanten Informationen suchen. Tipp! Nach Ländern filtern.
  • Seien Sie trotzdem aufmerksam. Diese Informationen sind nicht immer vollständig oder aktuell. Einige Länder haben ABS-Gesetze, die aber nicht im ABSCH aufgeführt sind.

 

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, kontaktieren Sie immer den ABS-National Focal Point und/oder die Competent National Authority (zuständige nationale Behörde. Tipp! Nach Ländern filtern.

Keine Antwort?

  • Versuchen Sie, den National Focal Point der Biodiversitätskonvention zu kontaktieren.
  • Bitten Sie Kollaborationspartner im Bereitstellerland um Hilfe – diese bekommen Informationen in ihrem eigenen Land und in ihrer eigenen Sprache meist einfacher!
  • Fragen Sie Kollegen, die bereits in dem betreffenden Land gearbeitet haben.
  • Nutzen Sie das Internet, um Informationen zu finden.
  • Kontaktieren Sie das Bundesamt für Naturschutz. Es stellt Informationen über ABS bereit and kann Sie unterstützen.

Prüfen Sie weiter, wenn…

  • Sie das Material außerhalb von Deutschland sammeln
  • ein Forschungspartner Ihnen das aus einem anderen Land stammende Material gibt
  • Sie Material aus einer Sammlung in Deutschland erhalten
  • Sie Material in einem Geschäft oder von einem Unternehmen kaufen
  • traditionelles Wissen von indigenen Völkern oder lokalen Gemeinschaften für Ihre Forschung benutzt wird